Berufskrankheiten die am häufigsten anerkannt werden

Übersicht über die Berufskrankheiten, die am häufigsten anerkannt werden

Es muss nicht immer ein Arbeitsunfall sein, der das Arbeitsleben vorzeitig beendet. Häufiger treten Berufskrankheiten auf, die sich jedoch teils über Jahrzehnte hinweg entwickeln. Das bedeutet, während die Folgen eines Unfalls unmittelbar in Erscheinung treten, handelt es sich bei Berufskrankheiten oft um schleichende Prozesse, deren Symptome sich erst nach Jahren bemerkbar machen.

Nun wird jedoch nicht jede Erkrankung, die mit dem Arbeitsplatz zusammenhängt und berufsbedingt entstanden ist, auch tatsächlich als Berufskrankheit anerkannt.

In Deutschland legt das Sozialgesetzbuch VII mit Paragraph 9 die Kriterien für eine Berufskrankheit fest und derzeit gibt es 68 anerkannte Berufskrankheiten. In den meisten Fällen werden dabei gleiche Ursachen zu einer Erkrankung zusammengefasst, eine Unterscheidung der Auswirkungen von Einzelkrankheiten erfolgt üblicherweise nicht. 

Daneben gibt es einige Fälle, die nur dann als Berufskrankheit gelten, wenn sie sowohl berufsbedingt entstanden sind als auch zu einer Beendigung dieser Arbeit führen. Ein Beispiel hierfür sind bandscheibenbedingte Erkrankungen der Wirbelsäule und hier hat es über 50 Jahre gedauert, bis dieses Krankheitsbild als Berufskrankheit anerkannt wurde. 

Allerdings muss eine Erkrankung nicht zwangsläufig in der Liste der Berufskrankheiten genannt sein, um als Berufskrankheit anerkannt zu werden. 

Eine Klausel im Sozialgesetzbuch ermöglicht auch dann eine Versicherungsleistung und Entschädigung für den Betroffenen, wenn nach dem aktuellen Stand der Medizin erwiesen ist, dass die Krankheit durch besondere Einwirkungen am Arbeitsplatz verursacht wurde und der Erkrankte diesen Auswirkungen im Alltag ansonsten nicht so stark ausgesetzt wäre. Insgesamt gibt es einige wesentliche Faktoren, die häufig als Auslöser für eine Berufskrankheit gelten.

Hier nun eine Übersicht über die Berufskrankheiten,
die am häufigsten als solche anerkannt werden:

Erkrankungen der Haut

Berufsbedingte Hautkrankheiten nehmen mit einem Anteil von rund 30 Prozent den größten Teil an gemeldeten Berufskrankheiten ein. Zu berufsbedingten Hautkrankheiten gehören Ekzeme an Haut und Händen sowie allergische Reaktionen. 

Bei Tätigkeiten, bei denen mit Produkten wie Ruß oder Teer gearbeitet wird, tritt zudem auch vermehrt Hautkrebs auf. Berufsbedingte Erkrankungen der Haut kommen in erster Linie dann vor, wenn mit Chemikalien wie Reinigungsmitteln, Seifen, Farben, Lacken, Färbemitteln und Wasser gearbeitet wird.

Neben Beschäftigten in der Chemieindustrie sind damit auch Berufsgruppen wie Maler und Lackierer, Friseure oder Reinigungskräfte häufig von Hautkrankheiten betroffen. 

Erkrankungen durch Infektionen

Einige Erkrankungen werden erst dann als Berufskrankheit gewertet, wenn sie im Zusammenhang mit Tätigkeiten in bestimmten Gefährdungsbereichen stehen. 

Hierzu gehören in erster Linie Infektionskrankheiten, die rechtlich erst dann als Berufskrankheit gelten, wenn der Betroffene in einem Bereich arbeitet, in dem er häufig Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten hat. Betroffen hiervon sind in erster Linie Beschäftigte im Gesundheitsdienst, in der Kranken- und Altenpflege sowie in Laboren, wobei der Begriff Infektionskrankheiten recht weit gefasst ist. 

Im Pflegebereich gehören Krankheitsbilder wie Hepatitis, Tuberkulose und Scabies zu den typischen Berufskrankheiten, mittlerweile kann auch eine Infektion mit HIV als Berufskrankheit anerkannt werden. 

Erkrankungen durch Lärm

Über fünf Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sind an ihrem Arbeitsplatz gesundheitsschädlichen Geräuschen ausgesetzt. Dabei sind Bauarbeiter genauso betroffen wie Erzieher oder Verkäufer. 

Die meisten denken bei Lärm an extrem laute Geräusche und richtig ist, dass das menschliche Gehör beispielsweise den Lärm eines Presslufthammers nur wenige Sekunden ohne bleibende Schäden übersteht. Allerdings treten Hörschäden schon dann auf, wenn das Gehör dauerhaft mehr als 85 Dezibel ausgesetzt ist, wobei dieser Wert der Lautstärke von lautem Straßenverkehr entspricht. 

Lärm schwächt die Konzentrationsfähigkeit und erhöht den Stressfaktor, was wiederum das Herzinfarktrisiko beeinflusst. Eine Dauerbelastung durch Lärm kann zu einer Schwerhörigkeit führen und diese ist die häufigste anerkannte Berufskrankheit überhaupt. 

Erste Symptome von Lärmschwerhörigkeit sind der Verlust der Wahrnehmung von hohen Tönen und das laute Empfinden von tiefen Tönen.  

Erkrankungen durch Asbest

Asbest war vor allem in den 1960er- und 70er-Jahren ein äußerst beliebter Baustoff, der als hitze- und säurebeständiges Material beispielsweise in Wandisolierungen, Trinkwasserrohren, Bremsbelägen und Heizungen verarbeitet wurde. 

Heute weiß man jedoch, dass Asbest giftig ist und neben Krebserkrankungen eine Reihe weiterer Erkrankungen auslösen kann. In Deutschland ist Asbest seit 1993, in der EU seit 2005 als Baustoff verboten. Auf die Berufskrankheiten hat dieses Verbot allerdings keine Auswirkung, denn zum einen gibt es heute noch eine Reihe von Gebäuden und Anlagen aus den 60er- und 70er-Jahren und zum anderen treten asbestbedingte Krankheiten erst Jahre später in Erscheinung.

Zu den drei häufigsten Berufserkrankungen, die auf Asbest zurückzuführen sind, gehören die Asbestose, Mesotheliome sowie Kehlkopf- und Lungenkrebs. Bei der Asbestose handelt es sich um eine Lungenkrankheit, bei der Asbestablagerungen zu einer Vernarbung des Lungengewebes führen. Die Folgen sind Atemnot, Husten, Auswurf, Appetitmangel und im späteren Verlauf kann es zu Lungenkrebs kommen. 

Mesotheliome sind bösartige Tumore im Bauch- oder Rippenfell, die zu der häufigsten Todesursache unter den Berufskrankheiten gehören. Typische Symptome für ein Mesotheliom sind Atemnot, Husten, ein schmerzender und teils geschwollener Brustbereich sowie Übelkeit und Erbrechen. 

Erkrankungen der Atemwege

Allergische Erkrankungen der Atemwege werden durch Staub, Mikroorganismen und Chemikalien begünstigt. Typische berufsbedingte Atemwegserkrankungen sind bronchiales Asthma, Nasenschleimhautentzündungen oder die allergische Rhinitis und betroffen sind vor allem Berufsgruppen wie Bäcker, Friseure sowie Arbeitnehmer, die vermehrt mit Tieren oder Pflanzen arbeiten. 

Insgesamt sind rund 250 Stoffe bekannt, die allergische Atemwegserkrankungen auslösen können und zu den häufigsten Symptomen gehören gereizte Atemwege sowie Husten mit Auswurf.

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