6 Fragen zum E-Rezept

6 Fragen zum E-Rezept

Künftig soll das E-Rezept das klassische Kassenrezept für verschreibungspflichtige Arzneimittel auf rosafarbenem Papier ersetzen. Das soll die Medikamentenabgabe sicherer machen und Patienten außerdem Wege und Zeit einsparen. Doch wie genau funktionieren elektronische Rezepte? Und wie werden sie eingelöst? Wir beantworten die sechs wichtigsten Fragen zum E-Rezept!

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6 Fragen zum E-Rezept

  1. Was genau ist das E-Rezept?

In vielen europäischen Ländern wie zum Beispiel Holland, Österreich, Portugal, Dänemark oder Schweden gibt es elektronische Rezepte schon länger. In Deutschland verzögerte sich die Einführung, weil die benötigte Technik flächendeckend nicht zur Verfügung stand. Doch zum 1. Juli 2023 fiel nun auch hierzulande der Startschuss.

Die Pläne sehen vor, dass bis Ende Juli 80 Prozent aller Apotheken über ein Lesegerät verfügen sollen. Ob alle Arztpraxen gleich ab Juli E-Rezepte ausstellen können, wird sich vor Ort zeigen. Zum 1. Januar 2024 wird das Ausstellen von E-Rezepten aber Pflicht.

Wer gesetzlich krankenversichert ist, kann mit dem E-Rezept eine ärztliche Verordnung über ein Medikament sowohl vor Ort als auch online in einer Apotheke einlösen. Zunächst wird das E-Rezept so zum Ersatz für das bisherige rosafarbene Kassenrezept.

Später sollen dann Überweisungen an Fachärzte, verschriebene Heil- und Hilfsmittel, Verordnungen über häusliche Krankenpflege und ähnliche Maßnahmen ebenfalls digitalisiert werden.

Das blaue Rezept für Privatversicherte bleibt vorerst in Papierform erhalten. Mittelfristig sind E-Rezepte aber auch für Privatversicherte geplant.

  1. Wie wird ein E-Rezept ausgestellt?

Über eine Software im Praxisverwaltungssystem stellt der Arzt dem Patienten ein digitales Rezept aus. Dabei enthält das E-Rezept dieselben Daten und Informationen wie das rosafarbene Papierrezept.

Dazu gehören:

  • Daten des Patienten

  • Daten des Arztes

  • verordnetes Medikament oder der jeweilige Wirkstoff

  • Hinweise zur Dosierung

Das digitale Rezept schickt der Arzt dann verschlüsselt an den zentralen E-Rezept-Server. Er wird auch E-Rezept-Fachdienst genannt. Gleichzeitig wird zu jedem digitalen Rezept automatisch ein sogenanntes Token erstellt.

Das E-Rezept-Token enthält den Code, den der Patient als eine Art digitaler Schlüssel braucht, damit er sein Rezept in der Apotheke einlösen kann. Der Arzt händigt dem Patienten deshalb kein rosafarbenes Papierrezept mehr, sondern nur noch das E-Rezept-Token aus.

  1. Wie löst der Patient ein E-Rezept ein?

Um ein E-Rezept einzulösen, hat ein gesetzlich krankenversicherter Patient drei verschiedene Möglichkeiten:

Über die elektronische Gesundheitskarte (eGK)

Mit seiner elektronischen Gesundheitskarte kann der Patient sein E-Rezept in jeder Apotheke einlösen. Dazu muss er lediglich die Karte in das Kartenterminal stecken. Aus Sicherheitsgründen wird beim Auslesen der Gesundheitskarte zwar überprüft, ob sie echt ist. Eine PIN braucht der Patient aber nicht.

Ist die Gesundheitskarte ausgelesen, ruft das Personal in der Apotheke die offenen E-Rezepte ab, die auf dem zentralen Server abgelegt sind.

Anschließend werden die entsprechenden Medikamente ausgehändigt.

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Über die E-Rezept-App

Der Patient kann die E-Rezept-App von „Gematik“ auf seinem Smartphone installieren. Die App steht direkt bei Gematik und in den gängigen App-Stores zum Download bereit. Voraussetzung für die Nutzung der App ist ein Smartphone ab dem Betriebssystem IOS 15 oder Android 7.

Nach der Installation muss sich der Patient in der App anmelden. Dafür braucht er seine Gesundheitskarte mit NFC-Funktion für einen kontaktlosen Austausch der Daten. Außerdem benötigt er die PIN seiner Karte.

Diese bekommt er nach einer Authentifizierung von seiner Krankenkasse. Um sich in der App einzuloggen, gibt der Patient die PIN und die sechsstellige CAN-Nummer ein, die oben rechts auf der Gesundheitskarte steht.

Verschreibt der Arzt ein Medikament, wird das E-Rezept verschlüsselt an den E-Rezept-Server geschickt. Gleichzeitig überträgt das Praxisverwaltungssystem das E-Rezept-Token in die App des Patienten.

In der Apotheke wird das Token ausgelesen und der Patient bekommt sein Medikament. Dabei kann der Patient das E-Rezept vor Ort in der Apotheke, online über die Webseite einer Apotheke oder in einer Versandapotheke einlösen.

Über einen Papierausdruck

Als dritte Variante gibt es den Papierausdruck. Dabei druckt die Arztpraxis den Rezept-Code auf Papier aus. Die Apotheke scannt anschließend diesen Code.

  1. Welche Vorteile hat das E-Rezept?

Durch das E-Rezept soll die Zettelwirtschaft in Arztpraxen und Apotheken ein Ende haben. Zudem ist das E-Rezept fälschungssicherer als ein Papierrezept und kann weder beschädigt werden noch verloren gehen.

Der Patient erspart sich Wege und Zeitaufwand. Mit der E-Rezept-App kann er sein Rezept online einlösen und sieht, ob das Medikament überhaupt vorrätig ist.

Hat seine Apotheke einen Lieferdienst, kann er sich den Weg in die Apotheke komplett sparen. Bestellt er seine Medikamente in einer Versandapotheke, ist es durch die E-Rezept-App nicht mehr notwendig, das Originalrezept wie bisher per Post einzuschicken.

War der Patient im laufenden Quartal schon in der Praxis, kann der Arzt ein Folgerezept direkt in die App übermitteln. Auch im Rahmen einer Videosprechstunde kann der Arzt ein E-Rezept ausstellen und in die App übertragen. Das spart den Gang in die Arztpraxis.

Praktisch ist auch, dass in der E-Rezept-App mehrere Personen verwaltet werden können. Dadurch wird es möglich, die E-Rezepte von zum Beispiel Familienangehörigen oder einer pflegebedürftigen Person in die eigene App zu laden und einzulösen.

Verknüpft mit anderen digitalen Anwendungen wie etwa einem elektronischen Medikationsplan, entsteht außerdem mehr Sicherheit. Denn ein Arzt oder der Apotheker kann so problematische Wechselwirkungen schneller erkennen.

  1. Wie oft kann ein E-Rezept eingelöst werden?

Auf dem zentralen E-Rezept-Server wird ein E-Rezept zusammen mit seinem Status gespeichert. Sobald eine Apotheke das Rezept eingelöst und das verschriebene Medikament ausgehändigt hat, ändert sich sein Status.

Deshalb ist es ausgeschlossen, ein E-Rezept ein weiteres Mal einzulösen.

  1. Wie sicher sind die Patientendaten beim E-Rezept?

Die Arztpraxis fügt dem Rezept eine qualifizierte elektronische Signatur hinzu. Durch diese Signatur kann die Apotheke technisch zuverlässig feststellen, von wem das Rezept erstellt wurde und ob es eventuell unbefugte Änderungen des Inhalts gab.

Einsehbar ist ein E-Rezept nur von der Arztpraxis, die es ausstellt, und der Apotheke, die es fürs Einlösen ausliest.

Die Daten auf dem E-Rezept werden in verschlüsselter Form auf Servern gespeichert, die die sogenannte Telematik-Infrastruktur nutzen und in einem gesicherten Rechenzentrum stehen. Ist ein Rezept eingelöst, werden alle dazugehörigen Daten automatisch 100 Tage später gelöscht. Der Patient hat aber die Möglichkeit, die Daten auch schon vorher manuell zu löschen.

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Heiner Trautmann, - Pflegedienstleitung, Anita Bokel, - Stationsleiterin, Peter Machinski, Inhaber Agentur für Altenpflege und Haushaltshilfen, Mike Bocholt, Pflege-Qualitätsmangament und Christian Gülcan Inhaber & Gründer Haushaltshilfen-Agentur Senioren-Familienservice und Betreiber dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Ratgeber und Tipps zum Thema Pflege, Betreuung, Gesundheitsthemen, Haushaltshilfen und Versorgung. Unsere Inhalte sind in keiner Weise ein Ersatz für professionelle Diagnosen, Beratungen oder Behandlungen durch ausgebildete und anerkannte Ärzte/Ärztinnen.

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