6 aktuelle Fragen zum richtigen Umgang mit Erkältungen

6 aktuelle Fragen zum richtigen Umgang mit Erkältungen

Erkältung, Bronchitis, Grippe: In der kalten Jahreszeit haben Infekte Hochsaison. Hier sind 6 aktuelle Fragen zum richtigen Umgang mit Erkältungen!

Meist fängt es mit einem leichten Frösteln und ein wenig Kratzen im Hals an. Kurze Zeit später läuft die Nase, der Kopf tut weh, das Atmen fällt zunehmend schwer und ein Gefühl von Müdigkeit und Schlappheit stellt sich ein.

Nach ein paar Tagen gesellt sich schließlich noch Husten dazu, manchmal kommt er zusammen mit Fieber. –  Von einem grippalen Infekt blieb wohl noch niemand verschont. Und so manchen erwischt es gleich mehrmals im Jahr. Klar, dass dann Fragen auftauchen…

 

Frage Nr. 1: Warum sind einige häufiger erkältet als andere? Funktioniert ihr Immunsystem vielleicht nicht richtig?

Studien haben gezeigt, dass einige Menschen kaum Reaktionen zeigen, wenn sie sich mit Erkältungsviren anstecken. Bei ihnen lösen die Rhinoviren, so heißen die Erkältungsviren in der medizinischen Fachsprache, die typischen Symptome wie Husten und Schnupfen nicht aus. Bei rund jedem Vierten ist das so. Wenn das Immunsystem heftig auf die Viren reagiert, zeigt das aber eigentlich nur, dass die Abwehr funktioniert. Denn die typischen Symptome einer Erkältung verfolgen das Ziel, die Erreger unschädlich zu machen und möglichst schnell wieder loszuwerden.

Wer öfter erkältet ist, muss sich also keine Sorgen machen. Ganz im Gegenteil kann er sich sicher sein, dass sein Immunsystem offensichtlich gut in Schuss ist. Und zwei bis drei Erkältungen pro Jahr sind bei Erwachsenen völlig normal. Bei Kindern treten Infekte sogar noch deutlich häufiger auf. Sechs bis zehn Erkältungen im kalten Halbjahr sind bei Kindergarten- und Schulkindern nicht ungewöhnlich.

 

Frage Nr. 2: Warum fühlen sich einige bei einer Erkältung richtig krank, während anderen ein Infekt scheinbar gar nichts ausmacht?

Eine Erkältung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Im schlimmsten Fall kann der Verlauf bei einem grippalen Infekt fast so heftig sein wie bei einer Influenza, also einer echten Virusgrippe. Ein Grund hierfür ist, dass es viele verschiedene Erkältungsviren gibt. Einige von ihnen sind aggressiver, andere milder.

Der zweite Grund ist, dass das Immunsystem bei jedem anders reagiert. So gibt es Menschen, bei denen eine Erkältung immer mit Fieber eingeht, während andere nie Fieber bekommen.

Den einen macht ein grippaler Infekt kaum zu schaffen und nach zwei, drei Tagen ist alles überstanden. Anderen setzt eine Erkältung richtig zu. Sie plagen sich tagelang mit den Symptomen herum und brauchen mitunter Wochen, bis sie auch den Husten wieder los sind. Vergleiche mit anderen zu ziehen, macht also wenig Sinn. Denn der Verlauf einer Erkältung ist individuell verschieden.

 

Frage Nr. 3: Macht eine Erkältung einen Arztbesuch notwendig?

Normalerweise ist es nicht notwendig, bei einer Erkältung gleich zum Arzt zu gehen. Allerdings gibt es Warnzeichen, die darauf hindeuten, dass zusätzlich zu den Erkältungsviren auch eine bakterielle Infektion im Spiel ist:

  • Wird es nach ein paar Tagen nicht besser, sondern verschlimmern sich die Symptome eher,
  • steigt das Fieber auf 39 Grad oder mehr,
  • fühlt sich der Betroffene richtig krank oder
  • ist er schon bei der kleinsten Anstrengung total schlapp und außer Atem,

sollte sicherheitshalber ein Arzt aufgesucht werden. Möglicherweise hat sich dann nämlich eine Bronchitis oder eine Lungenetzündung entwickelt. Eine sogenannte Superinfektion, das ist eine Ansteckung mit Erkältungsviren und Bakterien, muss außerdem unter Umständen mit einem Antibiotikum behandelt werden. Sicherheitshalber zum Arzt sollte gehen, wer Vorerkrankungen hat und gesundheitlich insgesamt, auch ohne Erkältung, angeschlagen ist. Daneben wird ein Arztbesuch natürlich notwendig, wenn eine Krankmeldung für den Arbeitgeber benötigt wird.

Frage Nr. 4: Stimmt es, dass eine notwendige Behandlung mit Antibiotika nur noch wenige Tage andauert?

In den vergangenen Jahrzehnten wurden viel zu oft Antibiotika verordnet, die eigentlich gar nicht notwendig gewesen wären. Die Folge davon ist, dass immer mehr Keime Resistenzen entwickelt haben und jetzt auf Antibiotika gar nicht mehr oder kaum noch anschlagen. Allerdings hat hier ein Umdenken stattgefunden und inzwischen werden weit weniger Antibiotika verschrieben als noch vor einigen Jahren.

Bei Viren helfen Antibiotika ohnehin nicht. Wenn bei einem grippalen Infekt Bakterien beteiligt sind, führt aber in vielen Fällen kein Weg an Antibiotika vorbei, um die Erreger in den Griff zu bekommen. Doch die Empfehlungen zur Behandlungsdauer haben sich verändert. Aktuelle Studien haben nämlich gezeigt, dass eine kürzere Behandlung genauso wirksam ist. Außerdem steigt mit der Länge der Behandlungsdauer die Gefahr, dass sich resistente Keime entwickeln und vermehren.

Bisher wurde angenommen, dass besonders widerstandsfähige Bakterien doch noch absterben, wenn sie dem Antibiotikum lange genug ausgesetzt sind. Neue Untersuchungen haben jedoch bewiesen, dass genau das Gegenteil passiert: Dadurch, dass die Erreger, die auf das Antibiotikum angesprochen haben, ausgeschaltet sind, haben die gefährlichen, resistenten Keime erst richtig Platz, um sich zu vermehren und auszubreiten. Hinzu kommt, dass umso mehr Nebenwirkungen wie Durchfall oder Pilzinfektionen auftreten, je länger die Behandlung mit Antibiotika andauert. Auch hier zeigt eine kürzere Einnahmedauer positive Wirkung.

Ob und wie lange Antibiotika geschluckt werden müssen, muss der behandelnde Arzt entscheiden.

Allerdings gibt es Faustregeln:

  • Schlägt das Medikament gut an und haben sich die Beschwerden schon nach zwei Tagen deutlich gebessert, genügen häufig fünf Behandlungstage.
  • Klingen die Beschwerden nur langsam ab, sollte eher sieben Tage lang mit Antibiotika behandelt werden.
  • Zeigt das Medikament nach drei Tagen noch gar keine Wirkung, sollte der Arzt erneut aufgesucht werden. Denn in diesem Fall spricht vieles dafür, dass das verordnete Antibiotikum gegen den vorhandenen Infekt nichts ausrichten kann.
  • Viele Packungen enthalten Tabletten für zehn Tage. Und früher hieß es, dass die gesamte Packung aufgebraucht werden muss. Das ist inzwischen nicht mehr so. Eine Antibiotika-Behandlung über zehn Tage ist eher selten notwendig.

Frage Nr. 5: Ist ein Nasenspray bei Schnupfen sinnvoll?

Ein Nasenspray oder Nasentropfen wirken abschwellend und machen die Nase frei. Darüber hinaus können sie eine Nebenhöhlen- und eine Mittelohrentzündung verhindern. Ist die Nasenschleimhaut mehrere Tage lang angeschwollen, kann das Sekret aus den Stirn- und Kieferhöhlen und aus den Ohren nämlich nicht mehr abfließen.

In der Flüssigkeit, die sich dadurch anstaut, finden Bakterien ideale Bedingungen vor, um sich zu vermehren. Die Folge davon können schmerzhafte und langwierige Vereiterungen sein. Bei einem akuten Schnupfen ist es also durchaus sinnvoll, zum Nasenspray oder zu Nasentropfen zu greifen. Allerdings sollte die Einnahme dann tatsächlich auf wenige Tage beschränkt bleiben. Andernfalls stellt sich bei der Nasenschleimhaut ein Gewöhnungseffekt ein.

 

Frage Nr. 6: Wie lässt sich verhindern, andere mit der Erkältung anzustecken?

Die meisten Erkältungserreger siedeln sich in der Nase an. Beim Niesen werden sie dann in der Luft verteilt. Oder sie gelangen beim Naseputzen an die Hände und verbreiten sie von dort aus. Wer erkältet ist, sollte deshalb am besten in die Ellebeuge niesen und husten, denn so können sich die Erreger nicht so leicht verteilen. Außerdem sollten benutzte Taschentücher sofort entsorgt und die Hände oft gewaschen werden.

Wichtig ist außerdem, sich möglichst wenig ins Gesicht zu fassen. Sonst kann es passieren, dass die Erkältungsviren von den Fingern in die Augen und durch den Tränenkanal weiter in die Nase gelangen. Und oft dauert es dann nur ein paar Stunden und der Schnupfen ist da.

Die Ansteckungsgefahr bei einer Erkältung ist in den ersten drei Tagen besonders groß. Um andere zu verschonen, ist es also ratsam, in diesen Tagen zu Hause zu bleiben. Denn letztlich kommt es deshalb regelmäßig zu Erkältungswellen, weil die Beschwerden oft nicht so stark sind, dass es die Betroffenen für notwendig halten, im Bett zu bleiben.

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Veröffentlicht von

Redaktion

Heiner Trautmann, 53 Jahre, Pflegedienstleitung, Anita Bokel, 46 Jahre, Stationsleiterin, Peter Machinski, 41 Jahre, Inhaber Agentur für Altenpflege und Haushaltshilfen, sowie Mike Bocholt, 39 Jahre, Qualitätsmangament schreiben hier Wissenswertes, Ratgeber und Tipps zum Thema Pflege, Betreuung, Gesundheit und medizinische Versorgung.

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