Tipps für Angehörige von Demenz-Kranken

Tipps für Angehörige von Demenz-Kranken

Einen Menschen mit Demenz zu pflegen und zu betreuen, ist eine große Herausforderung für die Angehörigen. Denn je weiter die Krankheit voranschreitet, desto mehr lebt der Betroffene in einer eigenen Welt. Doch es gibt mittlerweile eine Reihe von Unterstützungsangeboten, die dabei helfen, die Situation zu meistern. Und Betroffene sollten diese Angebote so früh wie möglich in Anspruch nehmen, um eine Überlastung zu vermeiden.

Tipps für Angehörige von Demenz-Kranken

Wir haben einige Tipps für Angehörige von Demenz-Kranken zusammengestellt:

Erinnerungen in den Alltag einbeziehen

Eine Demenz wirkt sich auf die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen aus. Betroffen sind zum Beispiel das Gedächtnis, die Orientierung, die Sprache, die Lernfähigkeit oder das Denk- und Urteilsvermögen.

Im Verlauf der Erkrankung geht die Erinnerung an aktuelle Ereignisse immer mehr verloren. Selbst Personen, die dem Betroffenen sehr nahe stehen, erkennt er zum Teil nicht mehr. Im Unterschied dazu kann er sich an Dinge und Geschehnisse, die schon lange zurückliegen, oft noch gut erinnern.

Pflegende Angehörige können an diesem Punkt ansetzen und versuchen, solche Erinnerungen in den Alltag einzubeziehen. Gemeinsam Lieder von früher anzuhören oder in alten Fotoalben zu blättern, kann zum Beispiel dabei helfen, wieder Nähe aufzubauen.

Allerdings können Situationen durchaus auch eskalieren, weil der Demenz-Kranke in seiner eigenen Welt lebt und das Geschehen nicht richtig einordnen kann. So ist beispielsweise möglich, dass er sich vor der alten Person erschreckt, die er im Badezimmerspiegel sieht, und möchte, dass sie verschwindet.

Dass es sich um sein eigenes Spiegelbild handelt, ist für ihn nicht greifbar, weil er sich in diesem Moment jung fühlt und anders wahrnimmt. Abhilfe kann dann schaffen, den Spiegel abzuhängen.

Solche Handlungen klingen vielleicht banal, sind im Alltagsleben aber wichtig. Denn der Demenz-Kranke ist nicht mehr in der Lage, aus seiner Welt auszubrechen und sich an die Situation anzupassen.

Diese Aufgabe muss deshalb sein Umfeld für ihn übernehmen. Alte Gewohnheiten und Rituale aus der Kindheit können dabei sehr hilfreich sein, weil sie oft noch präsent sind und keine Angst auslösen.

Das Wohnumfeld sicherer gestalten

Neben dem nicht immer einfachen Umgang mit dem Betroffenen bereitet auch das Wohnumfeld pflegenden Angehörigen oft Sorgen. Schaltet der Erkrankte zum Beispiel den Herd an oder dreht er den Wasserhahn auf und vergisst, diese wieder abzustellen, kann schließlich schnell großer Schaden entstehen.

Inzwischen sind verschiedenste Alltagshilfen und technische Lösungen verfügbar, die mehr Sicherheit schaffen. Und diese müssen gar nicht immer mit aufwändigen Umbaumaßnahmen und hohen Kosten einhergehen.

Eine Sicherung, die den Herd nach einer gewissen Zeit automatisch abschaltet, ein Wasserhahn mit Stopp-Automatik oder eine Beleuchtung mit Bewegungssensor beispielsweise lassen sich mit wenig Aufwand nachrüsten.

Verschiedene Beratungsstellen können den pflegenden Angehörigen aufzeigen, welche Möglichkeiten es für eine demenzfreundliche Gestaltung des Wohnraums gibt und wie sich diese realisieren lässt.

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Unterstützungsangebote nutzen

Die Pflege und Betreuung eines Demenz-Kranken ist sowohl körperlich als auch seelisch sehr belastend. Pflegende Angehörige sollten deshalb möglichst von Anfang an auf Unterstützung zugreifen, die in unterschiedlichen Formen angeboten wird.

Als Entlastung empfinden viele Pflegende zum Beispiel Gesprächskreise für Angehörige von Demenz-Kranken. Hier können sich die Angehörigen mit anderen Betroffenen, die in einer ähnlichen Situation sind, austauschen, ihre Erfahrungen teilen und voneinander lernen.

Organisiert werden solche Gespräche unter anderem von Alzheimer-Gesellschaften, Wohlfahrtsverbänden und Kirchengemeinden. Die Teilnahme ist in aller Regel kostenlos.

Bekommt der Betroffene Leistungen von der Pflegeversicherung, ist auch ein Anspruch auf Beratungsbesuche zu Hause gegeben:

  • Hat der Erkrankte Pflegegrad 1 oder bezieht er Pflegesachleistungen, kann ein Beratungsbesuch pro Halbjahr stattfinden.

  • Beim Bezug von Pflegegeld in den Pflegegraden 2 und 3 ist ein Beratungsbesuch pro Halbjahr sogar Pflicht.

  • In den Pflegegraden 4 und 5 muss der Beratungsbesuch einmal pro Quartal erfolgen.

Durchführen können die Beratungsbesuche entweder Pflegedienste oder anerkannte Beratungsstellen.

Pflegende Angehörige können außerdem an Pflegekursen zum Thema Demenz teilnehmen. Bei den Kursen eignen sich die Teilnehmer Wissen über das Krankheitsbild, den Umgang mit Erkrankten und auch rechtlichen Aspekten an. Ein wichtiger Schwerpunkt ist aber immer auch, wie Pflegende in ihrem individuellen Fall entlastet werden können.

Informationen darüber, welche Unterstützungsangebote es vor Ort gibt, bekommen Angehörige bei den Pflegekassen, den Pflegestützpunkten und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Auch die Gemeindeverwaltung kann Auskunft über örtliche Beratungsstellen geben. Pflegedienste und Wohlfahrtsverbände sind weitere mögliche Ansprechpartner.

Darüber hinaus können sich pflegende Angehörige anonym und vertraulich Expertenrat beim Bundesfamilienministerium einholen. Das Ministerium hat dafür ein Pflegetelefon eingerichtet, das unter der Rufnummer 030/20179131 und per E-Mail an info@wege-zur-pflege.de erreichbar ist.

Das Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums wiederum informiert über die rechtlichen Bedingungen im Zusammenhang mit der Pflegeversicherung. Seine Rufnummer lautet 030/340606602.

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Heiner Trautmann, 53 Jahre, Pflegedienstleitung, Anita Bokel, 46 Jahre, Stationsleiterin, Peter Machinski, 41 Jahre, Inhaber Agentur für Altenpflege und Haushaltshilfen, sowie Mike Bocholt, 39 Jahre, Qualitätsmangament und Christian Gülcan als Betreiber und Redakteur dieser Seite, schreiben hier Wissenswertes, Ratgeber und Tipps zum Thema Pflege, Betreuung, Gesundheit und medizinische Versorgung.

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