Wieso betrifft Darmkrebs zunehmend auch Jüngere?
Darmkrebs zählt zu den häufigsten Tumorerkrankungen, die zudem oft tödlich enden. Verbesserte Möglichkeiten bei der Vorsorge und der Früherkennung tragen zwar dazu bei, dass die Anzahl der Betroffenen stetig sinkt. Doch vor allem unter Jüngeren zeichnet sich eine gegenteilige Entwicklung ab. Woran liegt das? Wieso betrifft Darmkrebs zunehmend Jüngere? Und welche Faktoren beeinflussen eine Darmkrebserkrankung?

Inhalt
Zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland
Wenn von Darmkrebs die Rede ist, ist damit fast immer ein Tumor im Dickdarm oder im Enddarm, auch Mastdarm genannt, gemeint. In diesen beiden Abschnitten des Verdauungstrakts entstehen die meisten Tumore.
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken hierzulande jedes Jahr rund 55.000 Menschen an Darmkrebs. Was die Häufigkeit und auch die Todesrate angeht, steht Darmkrebs dadurch bei den bösartigen Krebserkrankungen nach Lungenkrebs auf dem zweiten Platz.
Aus den Daten des Statistischen Bundesamtes geht hervor, dass an Tumoren im Dickdarm rund sechs Prozent und an Tumoren im Enddarm etwa drei Prozent aller Krebspatienten sterben.
Weil sich sowohl die Vorsorge und die Früherkennung als auch die Behandlungsmöglichkeiten stetig verbessert haben, ist die Diagnose mittlerweile aber zum Glück nicht mehr zwangsläufig ein Todesurteil.
Zwischen 2003 und 2023 ging die Zahl der Darmkrebs-Toten um satte 17 Prozent zurück. Damit liegt die Sterblichkeit aktuell bei rund 44 Prozent.
Zunahme bei Jüngeren
Mit der Diagnose Darmkrebs sind in Deutschland Männer durchschnittlich im Alter von 71 Jahren und Frauen im Alter von 75 Jahren konfrontiert. Aus diesem Grund gehört das Alter auch zu den wesentlichen Risikofaktoren.
Allerdings nimmt der Darmkrebs nun bei jüngeren Personen zwischen 20 und 50 Jahren zu. Mittlerweile sind etwa fünf Prozent der Patienten, die an Darmkrebs erkranken, unter 50 Jahre alt.
Dabei zeichnet sich dieser Trend nicht nur in Deutschland ab. Er ist genauso in etlichen anderen Ländern zu beobachten, darunter etwa Frankreich, England, Australien und die USA.
Bei den jüngeren Patienten zeigen sich in erster Linie drei Symptome, nämlich ein blutiger Stuhl, Bauchschmerzen und generell veränderte Stuhlgewohnheiten. Obwohl diese Symptome typische Anzeichen für Darmkrebs sind, können sie auch bei vielen anderen Krankheiten vorkommen.
Das junge Alter der Betroffenen führt deshalb dazu, dass oft zunächst einmal andere Erkrankungen vermutet werden.
Der Verdacht auf eine Krebserkrankung fällt erst spät. Doch die Folge davon ist, dass die Tumoren später entdeckt werden und dadurch schwerer zu behandeln sind.
Ursachen für Tumoren im Darm
Nun stellt sich aber die Frage, warum Tumore im Darm ausgerechnet bei Jüngeren zunehmen. Die Forschung hat dazu mehrere Hinweise gefunden.
Ersten Theorien zufolge könnten ein vermehrter Einsatz von Antibiotika und ein hoher Konsum von taurinhaltigen Energiedrinks Darmtumore begünstigen.
Denkbar ist außerdem, dass eine Kombination aus den neu entdeckten und den schon bekannten Risikofaktoren Darmkrebs hervorrufen kann.
Dabei können wir vor allem auf die bekannten Risikofaktoren durch unseren Lebensstil viel Einfluss nehmen.
Wie bei anderen Krebsarten geht es hier um Übergewicht, den Konsum von Alkohol, das Rauchen und zu wenig Bewegung.
Die Deutsche Krebshilfe weist darauf hin, dass wir statistisch gesehen das Risiko für Dickdarmkrebs um 20 bis 30 Prozent senken können, wenn wir körperlich aktiv sind.
Ernährung als Risikofaktor
Eine sehr wichtige Rolle bei Darmkrebs spielt die Ernährung. Essen wir häufig stark verarbeitete Lebensmittel wie Fertiggerichte, Fast Food, Wurstwaren oder auch Sportlernahrung, kann sich die Darmflora nachteilig verändern.
Das liegt an den Fetten, dem Zucker und den Zusatz- und Konservierungsstoffen, die in solchen Lebensmitteln enthalten sind. Sie begünstigen die Bildung von Tumoren im Darm.
Auch rotes Fleisch gilt als Risikofaktor für Darmkrebs. Denn rotes Fleisch enthält Eisen, das die Darmzellen nachweislich schädigen kann. Allerdings steht auch weißes Hühnerfleisch im Verdacht, das Risiko für Darmtumore möglicherweise zu fördern.
Doch die gute Nachricht ist, dass wir das Darmkrebsrisiko durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung senken können. Dazu sollten auf unserem Speiseplan reichlich Ballaststoffe und Vitamine aus frischem Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten stehen.
Auch das Calcium aus Milch und Joghurt und die Inhaltsstoffe aus Nüssen haben eine schützende Wirkung. Weil solche Lebensmittel die Verdauung ankurbeln, verbleiben schädliche Substanzen kürzer im Darm.
Außerdem verändern die Lebensmittel die Zusammensetzung der Mikroben, die im Verdauungstrakt leben. Dabei fördern sie vor allem die Bakterien, die entzündungshemmende Stoffe produzieren.

Mikroben in der Darmflora
Die Ernährung und die anderen Risikofaktoren haben Einfluss auf die Darmflora und wirken sich auf unsere Ernährung aus. Die Keime in unserem Darm können wir durch unseren Lebensstil aber nur bedingt steuern.
Inzwischen ist bekannt, dass bei Darmkrebspatienten bestimmte Bakterien besonders stark vertreten sind. Die Forschung vermutet, dass diese Bakterienarten gemeinsam den Darmkrebs auslösen könnten.
Denn bei ihrem Stoffwechsel produzieren sie Moleküle, die das Erbgut in den Zellen des Darms schädigen und so Tumore hervorrufen können.
Zu diesen Mikroben gehören zum Beispiel einige Stämme der Escherichia coli, die den DNA-schädigenden Giftstoff Colibactin produzieren.
Möglicherweise sind diese Bakterien auch für die steigenden Krebserkrankungen bei den Unter-50-Jährigen verantwortlich.
Genetische Veranlagung
Ein weiterer Risikofaktor für eine Darmkrebserkrankung auch in jüngeren Jahren sind einige chronische Erkrankungen, die die Verdauung stören, und eine familiäre Vorbelastung.
Familiäre Vorbelastung meint, dass es enge Verwandte gibt, die entweder einen Darmtumor oder mehrere Darmpolypen hatten. Aus Darmpolypen entwickeln sich die meisten Tumore.
Drei bis fünf Prozent aller Fälle gehen auf eine genetische Veranlagung zurück. Genveränderungen im engen Verwandtenkreis können vererbt werden und verursachen dann meist Dickdarmkrebs.
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