Zu Hause oder ins Heim? – die wichtigsten Pflegeformen in der Übersicht, 2. Teil

Zu Hause oder ins Heim? – die wichtigsten Pflegeformen in der Übersicht, 2. Teil

Ein plötzlicher Pflegefall in der Familie stellt die gesamte Situation auf den Kopf. Sowohl der Betroffene als auch seine Angehörigen müssen sich mit der Diagnose arrangieren und ihren Alltag neu organisieren.

Dabei stellt sich unweigerlich auch die Frage, wie die Betreuung und Versorgung des Betroffenen künftig sichergestellt werden soll. Viele pflege- und hilfebedürftige Personen würden zwar am liebsten in ihrem gewohnten Umfeld bleiben.

Manchmal ist dies aber nicht möglich, weil die Angehörigen die Pflege beim besten Willen nicht stemmen können oder weil die Schwere der Pflegebedürftigkeit eine Betreuung zu Hause nicht zulässt. Die Entscheidung, ob der Betroffene zu Hause bleibt oder in ein Heim umzieht, hängt also von vielen verschiedenen Faktoren ab.

Um eine Entscheidung treffen zu können, müssen der Betroffene und seine Angehörigen aber erst einmal wissen, welche Pflegeformen es überhaupt gibt. In einer zweiteiligen Übersicht stellen wir die wichtigsten Arten der Pflege vor. Dabei ging es im ersten Teil um die häuslichen Pflegeformen.

 

Nun, im zweiten Teil, stehen die
stationären Pflegeformen im Mittelpunkt:

 

Wohnen in einer Pflege- oder Senioren-WG

Die meisten Menschen wünschen sich auch im Alter ein selbstbestimmtes Leben in einer häuslichen Umgebung. Sie möchten sich in ihrem zu Hause wohlfühlen, eigenständig bleiben und nicht auf ihre Privatsphäre verzichten.

Auf der anderen Seite lässt es der Gesundheitszustand manchmal nicht mehr zu, den Haushalt alleine zu führen und alles selbst zu erledigen. Außerdem sehnen sich viele Senioren nach Gesellschaft und wollen Teil einer Gemeinschaft sein. Neue Wohnformen, zu denen insbesondere die Pflege- oder die Senioren-WG gehören, bringen alle diese Wünsche und Bedürfnisse unter einen Hut.

Bei einer solchen Wohngemeinschaft schließen sich mehrere Bewohner zusammen. Sie bewohnen gemeinsam eine Wohnung, wobei jeder sein eigenes Zimmer hat. Zusätzlich dazu gibt es Gemeinschaftsräume wie Küche und Wohnzimmer, in denen beispielsweise zusammen gekocht und gegessen, Unterhaltungen geführt, Fernsehabende veranstaltet, Gesellschaftsspiele gespielt und andere gemeinsame Aktivitäten durchgeführt werden.

Seit Ende 2012 werden solche Wohngruppen von der gesetzlichen Pflegeversicherung gefördert, wenn ein paar grundlegende Bedingungen erfüllt sind. Hierzu gehört, dass die Wohngruppe aus mindestens drei Pflegebedürftigen bestehen muss.

Zudem muss die WG darauf abzielen, die pflegerische Versorgung gemeinschaftlich zu organisieren, wobei die Bewohner selbst entscheiden, welcher Anbieter welche Pflege- und Betreuungsleistungen erbringen soll. Wird eine neue Pflege-WG gegründet, beteiligt sich die Pflegekasse auf Antrag mit einer Anschubfinanzierung. Dabei können pro Bewohner bis zu 2.500 Euro bewilligt werden, pro WG aber maximal 10.000 Euro.

Muss die Wohnung alters- oder behindertengerecht umgebaut werden, ist ein Zuschuss von weiteren 4.000 Euro pro Bewohner möglich. Hier ist die Höchstsumme aber auf 16.000 Euro begrenzt, unabhängig davon, wie viele Bewohner tatsächlich in die WG einziehen. Besteht die WG aus mehr als vier Bewohnern, werden die Mittel für die Anschubfinanzierung und den Umbau anteilig auf die zuständigen Pflegekassen aller Bewohner aufgeteilt.

Was die Kosten angeht, so fällt zum einen die monatliche Miete samt Nebenkosten für das eigene Zimmer und anteilig für die Gemeinschaftsräume an. Dazu kommt meist ein Haushaltsgeld, das für Lebensmittel, Verbrauchsgüter und andere Anschaffungen der WG verwendet wird.

Außerdem muss die Pflege und Betreuung durch einen ambulanten Pflegedienst bezahlt werden. Das Wohn- und das Haushaltsgeld muss der pflegebedürftige WG-Bewohner aus eigener Tasche aufbringen. An den Pflegekosten hingegen beteiligt sich die Pflegeversicherung. Wie hoch diese Leistungen sind, hängt von der Pflegestufe des Bewohners ab.

 

Wohnen im Pflegeheim

Die klassische Form der stationären Pflege wird durch Heime erbracht. Dabei lassen sich die Einrichtungen in drei Typen einteilen:

  • Altenwohnheime sind Wohneinrichtungen für Senioren. Die Wohnanlagen umfassen kleine Wohnungen mit eigener Küche, in denen die Bewohner ein weitgehend eigenständiges Leben führen. Suchen die Bewohner Gesellschaft, für gemeinsame Mahlzeiten und für gemeinschaftliche Aktivitäten stehen jedoch Gemeinschaftsräume bereit.

 

  • Altenheime stellen die hauswirtschaftliche Unterstützung und die pflegerische Versorgung für Senioren sicher, die in ihrer bisherigen Wohnung nicht mehr alleine wohnen können. Je nach Heim bewohnen die Senioren kleine Wohnungen, Appartements oder Einzelzimmer, jeweils mit eigenem Bad. Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen und oft stehen verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen auf dem Programm, an denen die Bewohner teilnehmen können.

 

  • Pflegeheime richten sich an Personen, die Hilfe bei der Bewältigung des Alltags brauchen. Die pflegerische Betreuung und Versorgung ist rund um die Uhr gewährleistet. Die Bewohner beziehen in aller Regel Einzelzimmer, für Ehepaare gibt es manchmal auch kleine Appartements.

Um dem Pflegeheim den Charakter eines Krankenhauses zu nehmen und den Bewohnern dabei zu helfen, sich schneller einzuleben und zu Hause zu fühlen, bringen die Bewohner meist eigene Möbelstücke und persönliche Einrichtungsgegenstände mit. Bewohner, die noch recht fit sind, nehmen die Mahlzeiten überwiegend im Gemeinschaftsraum ein. Bettlägerige Bewohner essen in ihrem Zimmer, wobei in Pflegeheimen auch eine Ernährung per Magensonde realisiert werden kann.

Die Kosten für die Unterbringung in einem Pflegeheim variieren von Anbieter zu Anbieter. Monatliche Kosten zwischen 2.000 und 3.000 Euro oder mehr sind jedoch keine Seltenheit. Die Pflegekasse übernimmt die Kosten bis zu der Höhe, die als Leistung in der jeweiligen Pflegestufe vorgesehen ist. Decken die Leistungen der Pflegeversicherung die Kosten nicht, muss der Bewohner den Rest aus eigenen Mitteln bestreiten.

Generell sollte die Entscheidung für eine Pflegeeinrichtung aber gut durchdacht werden. Schließlich soll sich der Bewohner ja wohl- und geborgen fühlen. In den meisten Fällen wird der Umzug ins Pflegeheim sein letzter Umzug sein und hier wird er seinen letzten Lebensabschnitt verbringen. Deshalb sollte allein der Preis auch nicht den Ausschlag geben.

Wichtiger ist, welche Leistungen das Heim erbringt, wie es ausgestattet ist und wie der Bewohner versorgt wird. Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen stellt mit dem BKK PflegeFinder eine Pflegedatenbank zur Verfügung, in der sich Betroffene und Angehörige kostenfrei über Einrichtungen und Pflegedienste informieren und gezielt nach Anbietern im Umkreis suchen können. Ansonsten stehen auch die Pflegestützpunkte mit Rat und Tat zur Seite.

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