Fakten zum Einsatz von Placebos

Die wichtigsten Infos, Fakten und Gründe für den Einsatz von Placebos  

Ein Medikament enthält bestimmte Inhaltsstoffe, die für die jeweilige Wirkung zuständig sind. Im Unterschied dazu sind in Scheinmedikamenten, den sogenannten Placebos, harmlose Substanzen wie beispielsweise Wasser, Traubenzucker oder Salz enthalten.

Da Placebos dadurch letztlich keine Wirkung haben sollten, bilden sie in wissenschaftlichen Studien einen idealen Kontrast zu den echten Medikamenten.

Im Laufe der Zeit hat sich jedoch herausgestellt, dass auch Placebos durchaus wirken können. Nun stellt sich aber die Frage, wie diese Wirkung zustande kommt und in welcher Form Placebos den gesundheitlichen Zustand beeinflussen können.

Hier die wichtigsten Infos, Fakten und Gründe
für den Einsatz von Placebos in der Übersicht:
 

Was sind Placebos genau?

Placebos sind Scheinmedikamente, die wie echte Medikamente in allen üblichen Darreichungsformen hergestellt werden, als Tabletten also beispielsweise genauso wie als Tropfen oder Salben. Rein optisch sind Placebos von echten Medikamenten nicht zu unterscheiden, enthalten im Unterschied dazu aber lediglich harmlose Substanzen wie Wasser, Traubenzucker oder Salz.

Das Wort Placebo selbst ist die lateinische Vokabel für „ich werde gefallen“. Schriftlich taucht der Begriff erstmalig im Alten Testament auf, wo es in Psalm 114/9 heißt „placebo Domino in regione vivorum“. Bis zum Konzil von Trient im Jahre 1545 waren diese Worte, die übersetzt „ich werde dem Herrn gefallen im Lande der Lebenden“ bedeuten, die Eröffnungsworte bei katholischen Totenmessen.

Gleichzeitig hat sich aus diesem Ausdruck im Mittelalter mit dem Placebo-Singer die Berufsbezeichnung für eine Person entwickelt, die professionell Totenwache hielt. Nun waren die Klagen und Trauerlieder aber kein Ausdruck von echten, sondern lediglich von gespielten Trauergefühlen. Daraus wiederum leitet sich die heutige Bedeutung des Begriffs Placebo ab.

Warum werden Placebos in wissenschaftlichen Studien eingesetzt?

In wissenschaftlichen Studien wird mit Placebos gearbeitet, um die Wirkung eines Medikaments zu untersuchen. Dabei schaffen Placebos die Grundlage für Vergleiche zwischen der Wirkung des echten Medikaments und der Wirkung des Scheinmedikaments. Bei einer Studie werden die Probanden dazu in zwei Gruppen aufgeteilt und während die eine Gruppe das echte Medikament erhält, werden der anderen Gruppe Placebos gegeben.

Die Probanden wissen dabei aber natürlich nicht, zu welcher Gruppe sie gehören, und auch der oder die Ärzte kennen die Einteilung nicht. Ist die erste Hälfte der Studiendauer geschafft, erfolgt ein Wechsel. Je nach Aufbau der Studie erfolgt dieser zufällig, ohne dass bekannt ist, wem was verabreicht wird, oder indem die beiden Gruppen getauscht werden. Die Wissenschaft spricht in diesem Zusammenhang von randomisiert, doppelblind oder crossover.

Lange Zeit wurde davon ausgegangen, dass Placebos keinerlei Wirkung haben und so aussagekräftige Vergleiche ermöglichen. Aber es zeigte sich, dass auch Scheinmedikamente einen positiven Heilungseffekt haben können. Besonders deutlich wurde dies, wenn eine Studie nicht nur mit zwei Gruppen durchgeführt, sondern um eine dritte Gruppe erweitert wurde.

Diese dritte Gruppe erhielt keinerlei Medikamente und es stellten sich deutliche Unterschiede zwischen den Probanden mit Placebos und den Probanden ohne Medikamente heraus.

Wie wirken Placebos?

Zunächst einmal wurde davon ausgegangen, dass Placebos keinerlei Wirkung haben, weil sie ja keine Wirkstoffe enthalten. Nachdem sich doch eine Wirkung zeigte, wurde diese mit einer Art Entspannungseffekt und dem Glauben an die Wirkung erklärt.

Hat jemand beispielsweise Schmerzen, nimmt er eine Schmerztablette und erhofft sich, dass die Schmerzen nachlassen. Gleichzeitig sinkt der Stresspegel und die Person wird ruhiger, weil sie etwas gegen die Schmerzen unternommen hat, von dem sie ausgeht, dass es wirkt. Dies wiederum aktiviert die Selbstheilungskräfte und in vielen Fällen lassen die Schmerzen tatsächlich nach, selbst wenn es sich bei der Schmerztablette nur um ein Placebo gehandelt hat. Studien haben jedoch gezeigt, dass die Wirkung von Placebos nicht nur auf den Entspannungseffekt zurückzuführen ist. Der Mensch ist ein ganzheitliches System, bei dem es keine Trennung zwischen Kopf und Körper gibt.

So werden im Kopf Botenstoffe produziert, die sich über den Blutkreislauf im gesamten Körper verteilen, elektrische Impulse werden über das Nervensystem weitergeben und auch die Organe werden durch das Gehirn gesteuert. Die Steuerung erfolgt dabei sowohl mithilfe der unbewussten als auch mithilfe der bewussten Hirnanteile. Übertragen auf die Wirkung von Placebos bedeutet das, dass ein Scheinmedikament zuerst im Gehirn wirkt.

Während die Wirkstoffe von einem echten Medikament direkt an der jeweiligen Stelle ansetzen, wird das Gehirn bei einem Placebo zunächst über die gewünschte Wirkung informiert und steuert dann im nächsten Schritt die betroffene Stelle an.

Nun wirken aber nicht alle Placebos gleich.

Während die Wirkung von Placebos bei einigen Studien über 40 Prozent der Wirkung des echten Medikaments erreichte, beeinflussten Placebos den Heilungseffekt bei anderen Studien kaum. Interessant dabei ist, dass Placebos vor allem dann einen deutlichen Effekt haben, wenn die Symptome und die Verbesserungen deutlich spürbar sind, also beispielsweise bei Schmerzen, beim Blutdruck, beim Puls oder bei der Atemluft. Geht es hingegen um biometrische Parameter wie den Cholesterinspiegel oder die Anzahl von Blutkörperchen und damit um Veränderungen, die nicht bewusst wahrgenommen werden, haben Placebos eine kaum nennenswerte Wirkung.  

 

Kommen Placebos auch im Alltag vor?

Im Grunde genommen nutzt jeder Mensch ständig das Prinzip von Placebos. Fällt ein Kind beispielsweise hin, verwenden die Eltern nicht irgendeine Salbe, sondern eine ganz besondere Wundersalbe. Auf die aufgeschürfte Stelle wird außerdem auch nicht irgendein Pflaster geklebt, sondern ein ganz besonderes Pflaster, das die Schmerzen vertreibt und die Stelle schnell wieder gesund werden lässt.

Das Placebo-Prinzip wirkt aber nicht nur im medizinischen Bereich. Wer beispielsweise einen Film anschaut, weiß im Vorfeld noch nicht, was konkret passieren wird. Er weiß aber, ob es sich um einen Liebesfilm oder einen Krimi handelt und nimmt eine entsprechende Erwartungshaltung ein, die gleichzeitig auch das Verständnis erleichtert.

Genauso dieses Prinzip liegt auch der Wirkung von Placebos als Scheinmedikamente zugrunde.

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