Gesundheit und Pflege: Was sich 2015 ändert

Gesundheit und Pflege: Was sich 2015 ändert

Mit dem Jahr 2015 halten einige Neuerungen Einzug in den Bereich Gesundheit und Pflege. So ist die alte Krankenversicherungskarte nun endgültig Geschichte. Außerdem erhöht sich der Freibetrag bei Zuzahlungen.

Die meisten Änderungen ergeben sich aber aus dem ersten Pflegestärkungsgesetz, das mit verbesserten Leistungen für Pflegebedürftige und deren Angehörige einhergeht.

Die folgende Übersicht erklärt ausführlich, was sich 2015 ändert:

Die elektronische Gesundheitskarte

Seit dem 1. Januar 2015 hat die bisherige Krankenversicherungskarte endgültig ausgedient. Schon seit einiger Zeit hatten die Krankenkassen die Karten nach und nach ausgetauscht, so dass ein Großteil aller Versicherten bereits über die neue elektronische Gesundheitskarte verfügt.

Als verbindlichen Stichtag für die Gültigkeit der elektronischen Gesundheitskarte hatten sich die Krankenkassen und die Kassenärzte auf den 1. Januar 2015 geeignet. Deshalb ist ab diesem Tag nur noch die elektronische Gesundheitskarte mit Foto, Chip und Logo gültig. Die alten Krankenversicherungskarten haben gleichzeitig ihre Gültigkeit verloren, unabhängig davon, welches Ablaufdatum aufgedruckt ist.

Höherer Freibetrag bei Zuzahlungen

Seit 2004 werden für gesetzlich Krankenversicherte, die älter sind als 18 Jahre, Zuzahlungen bei ärztlichen Verordnungen wie therapeutischen Behandlungen oder rezeptpflichtigen Medikamenten fällig. Die Belastungsgrenze für die Zuzahlungen liegt bei zwei Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen, bei chronisch Kranken ist es ein Prozent.

Ist die Belastungsgrenze erreicht, muss der Versicherte keine weiteren Zuzahlungen leisten. Bei der Berechnung der Belastungsgrenze legen die Krankenkassen die Bruttoeinnahmen zugrunde und ziehen davon Freibeträge für den Ehepartner oder den eingetragenen Lebenspartner und die Kinder, die im Haushalt des Versicherten leben, ab. Bisher belief sich der Freibetrag für den Ehe- oder Lebenspartner auf 4.977 Euro. Dieser Freibetrag ist zum 1. Januar 2015 auf 5.103 Euro gestiegen. Für Kinder ändert sich am Freibetrag von 7.008 Euro (pro Kind) nichts.

Umfangreichere Leistungen der Pflegeversicherung

Am 1. Januar 2015 ist das Pflegestärkungsgesetz 1 in Kraft getreten. Durch das Gesetz können Pflegebedürftige und deren Pflegepersonen von verschiedenen Leistungen profitieren, die verbessert und flexibler gestaltet wurden.

Die wichtigsten Änderungen, die sich aus dem ersten Pflegestärkungsgesetz ergeben, sind folgende:

· Höhere Beträge:

Ob Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder Leistungen bei vollstationärer Pflege: fast alle Beträge, die die Pflegeversicherung auszahlt, steigen um vier Prozent.

· Pflegeunterstützungsgeld:

Muss ein Berufstätiger die Pflege eines Angehörigen kurzfristig organisieren oder leisten, kann er sich von seinem Arbeitgeber zehn Tage lang freistellen lassen. Die Pflegeversicherung springt dann mit dem sogenannten Pflegeunterstützungsgeld ein, so dass der Angehörige nicht auf sein Arbeitsentgelt verzichten muss. Das Pflegeunterstützungsgeld beträgt rund 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts.

· Zusätzlicher Betreuungsbetrag in den Pflegestufen 1 bis 3:

Bisher erhielten nur die Personen einen zusätzlichen Betreuungsbetrag, bei denen die Alltagskompetenz erheblich eingeschränkt war. Jetzt können alle Personen mit Pflegestufe 1 bis 3 den zusätzlichen Betreuungsbetrag von 104 Euro monatlich in Anspruch nehmen. Das Geld kann unter anderem für die Begleitung bei Arztbesuchen, Hilfe beim Einkauf oder Unterstützung im Haushalt verwendet werden.

· Mehr Flexibilität bei der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege:

Die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege kann in Anspruch genommen werden, wenn der Pflegebedürftige kurzzeitig auf vollstationäre Pflege angewiesen ist (z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt) oder wenn die Pflegeperson eine Auszeit braucht.

Mit Inkrafttreten des Gesetzes fallen die Leistungen hierfür höher aus. Pro Jahr erhält der Pflegebedürftige nun nämlich 1.612 Euro, unabhängig von seiner Pflegestufe. Eine Ersatzpflege kann pro Jahr bis zu sechs Wochen lang in Anspruch genommen werden. Außerdem ist es möglich, maximal die Hälfte des Leistungsbetrags für die Kurzzeitpflege zusätzlich für Verhinderungspflege zu verwenden.

Damit stehen für die Verhinderungspflege bis zu 2.418 Euro pro Jahr zur Verfügung. Der mögliche Zeitrahmen für die Kurzzeitpflege erhöht sich von vier auf acht Wochen, die Pflegekasse springt dabei mit bis zu 3.224 Euro ein. Wenn Geld, das für die Verhinderungspflege nicht aufgebraucht wurde, für die Kurzzeitpflege genutzt wird, wird der Erhöhungsbetrag für die Kurzzeitpflege mit den verfügbaren Leistungen für die Verhinderungspflege verrechnet. Neu ist außerdem, dass die Tages- und die Nachtpflege nun uneingeschränkt neben ambulanten Geld- und Sachleistungen in Anspruch genommen werden können.

· Verbesserte Leistungen für Personen mit Pflegestufe 0:

Personen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz, die die Kriterien für die Pflegestufen 1 bis 3 nicht erfüllen, werden der Pflegestufe 0 zugeordnet. Seit Januar 2015 können nun auch sie alle ambulanten Leistungen der Pflegeversicherung nutzen.

Hierzu gehören unter anderem die Kurzzeitpflege oder die teilstationäre Tages- und Nachtpflege. Demenzkranke, die in einer ambulanten Pflegewohngemeinschaft leben, können außerdem jetzt einen Wohngruppenzuschlag von 205 Euro monatlich bekommen. Mit diesem Geld soll die Finanzierung einer Unterstützungskraft möglich werden. Auch auf eine Anschubfinanzierung von 2.500 Euro pro Bewohner, um eine ambulant betreute Wohngruppe zu gründen, haben Personen mit Pflegestufe 0 seit Januar 2015 Anspruch.

· Höhere Zuschüsse für Hilfsmittel und Umbauten:

Die Zuschüsse für Pflegehilfsmittel, die im Alltag zum Einsatz kommen, sind auf 40 Euro pro Monat gestiegen. Verbreiterte Türen, eine begehbare Dusche, der Einbau einer Rollstuhlrampe und ähnliche Umbauten führen häufig dazu, dass eine pflegebedürftige Person in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben kann. An solchen Umbauten beteiligt sich die Pflegekasse seit Januar 2015 mit bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme (bisher waren es 2.557 Euro). Haben mehrere Pflegebedürftige eine Wohngemeinschaft gegründet, ist ein Zuschuss von bis zu 16.000 Euro pro Umbau möglich.

· Anspruch auf Familienzeit:

Seit Jahresbeginn 2015 können alle Arbeitnehmer 24 Monate lang in Familienpflegezeit gehen, wenn sie einen nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung pflegen. Der Rechtsanspruch gilt auch dann, wenn es sich bei dem Pflegebedürftigen um ein minderjähriges Kind handelt.

Voraussetzung ist aber, dass der Betrieb mehr als 25 Mitarbeiter hat und der jeweilige Arbeitnehmer weiterhin mindestens 15 Stunden pro Woche arbeitet. Während der Familienpflegezeit steht der Arbeitnehmer unter besonderem Kündigungsschutz. Der Arbeitgeber muss acht Wochen vor Beginn der geplanten Familienpflegezeit informiert werden. Die finanzielle Absicherung kann durch ein zinsloses Darlehen erfolgen, das beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) beantragt werden muss.

· Pflegevorsorgefonds:

Ab 2035 erreichen die geburtenstarken Jahrgänge allmählich das Pflegealter. Damit die Beiträge zur Pflegeversicherung dann nicht deutlich angehoben werden müssen, sondern möglichst stabil bleiben, wird ein Pflegevorsorgefonds eingerichtet. In diesen Fonds, der von der Bundesbank verwaltet wird, sollen ab 2016 0,1 Beitragspunkte, das sind rund 1,2 Milliarden Euro, eingezahlt werden. Alle Änderungen, die sich durch das Pflegestärkungsgesetz 1 ergeben, hat das Bundesministerium für Gesundheit in einer Übersicht zusammengefasst.

Diese Übersicht kann unter http://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/P/Pflegestaerkungsgesetze/
Pflegeleistungen_nach_Einfuehrung_des_Pflegestaerkungsgesetz_1.pdf
abgerufen werden.

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